Auf See

9. Februar 2009. Tag Drei war der erste komplette Seetag. Wir ließen uns mit dem Aufstehen Zeit und gingen recht spät zum Frühstück. Da wir auf den für uns etwas zu hektischen Service am Morgen keine Lust hatten, beschlossen wir, das Frühstück in der L’Africana Cafeteria auszuprobieren. diese war immer gut besucht, aber in dem riesigen SB-Restaurant findet man immer einen Platz, meist erhielten wir sogar einen schönen Platz mit Aussicht am Fenster. Man muss nur weit genug Richtung Schiffsheck gehen, nach hinten wird es deutlich ruhiger. Viele Passagiere wollten offensichtlich im vorderen Teil, also Richtung mittschiffs, sitzen. Dieser Bereich heißt eigentlich noch gar nicht L’Africana, sondern Zanzibar, aber die beiden Restaurants gehen kaum merklich ineinander über. Nur die Dekoration, der Wandschmuck und die Lampen ändern sich. Alle Buffets gibt es mehrfach, sodass man nicht allzu weit laufen muss, um sich das gewünschte zu holen, mit einer Ausnahme: Spiegeleier gibt es nur ganz vorne an der Zanzibar-Theke. Alles andere, auch gekochte Eier, Rühreier, Speck, Bohnen, Würstchen etc. gibt es wie gesagt mehrfach. Wenn ich schon beim aufzählen bin: Neben den genannten Speisen gab es morgens Wurst – Mortadella und Kochschinken – und zwei Käsesorten. Daneben gab es eine verschiedene Marmeladen, Honig, Butter und Margarine. Verschiedene Müslis und Cerealien standen neben Joghurt-Bechern (Frucht oder Natur) ebenfalls bereit.

L'Africana Self Service Restaurant

Das L’Africana SB-Restaurant war nur selten so leer.

An Backwaren gab es Brötchen, Croissants, auch gefüllt, Brot, und Kuchen. Auch ein Früchtebuffet gab es. Angeboten wurde meist Dosenobst wie Ananas und Birnenhälften, aber auch frischer Obstsalat, aus dem die zahlreich vorhandenen Buffetspezialisten systematisch die ebenfalls zahlreich vorhandenen Ananasstücke herauspickten. Weiter gab es zwei verschiedene Melonensorten und Scheiben von Blutorangen. Auch Grapefruithälften, Kiwis und Äpfel waren im Angebot.
Als Heißgetränk boten die Hilfskellner Kaffee aus der Kanne an, wer wollte, konnte sich aus einer zweiten Kanne heiße Milch dazugeben lassen. Es stand aber auch auf jedem Tisch ein Behälter mit einer Auswahl an Teebeuteln, sodass wir immer schlicht „Hot Water“ bestellten und uns einen Tee aufbrühten. Den Espresso nahmen wir dann nach dem Frühstück für 1,10 € an einer der zahlreichen Bars. Auch den bereits bekannten „Saft mit fruchtähnlichem Geschmack“ servierten Kellner vom Tablett. Neben den uns bereits vom Mittagsbuffet bekannten großen, ovalen Melaminteller gab es auch Melamin-Tassen, zum Umrühren lag daneben ein in Kunststofffolie verpacktes Einweg-Holzstäbchen. Was das Geschirr betraf, lagen die Bedienrestaurants also vorne. Wir zogen aber an den folgenden Tagen der Kreuzfahrt das Selbstbedienungs-Restaurant vor. Man hat ausreichend Auswahl und Vielfalt, dazu eine viel bessere Aussicht und kann auch seinen Tisch selbst aussuchen.

Technische ‚Konferenz‘

Im Tagesprogramm war für 11 Uhr eine „Technische Konferenz präsentiert von Kapitän Giuliano Bossi“ im Theater angekündigt worden. Da wir ja spät gefrühstückt hatten, blieb nur noch Zeit für einen kurzen Bummel durch die Decks, dann gingen wir ins Theater. Dort hatten sich schon einige technisch Interessierte eingefunden. Die deutsche Reiseleiterin Claudia sprach einen kurzen Willkommensgruß, dann bat sie den Kapitän auf die Bühne. Er erklärte zunächst in recht gutem Deutsch, dass seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 auf den meisten Schiffen keine Brückenbesuche mehr möglich seien, und daher habe er diese Präsentation zusammengestellt.
Zunächst präsentierte Kapitän Bossi die technischen Eckdaten des Schiffes, danach eine Diashow vom Bau der MSC Fantasia. Dann gab es interessantere Bilder, die man so öffentlich nicht zu sehen bekommt. Gezeigt wurden Bilder der einzelnen Navigationsgeräte, Maschinen und Systeme, zum Beispiel die Wasseraufbereitung, die Mülltrennung und –verbrennung, Feuerschutzeinrichtungen, Echolot, Radar und vieles mehr. Zum Ende der Präsentation konnten Fragen an den Kapitän gestellt werden, die dieser dann, teilweise recht humorvoll beantwortete: Auf die Frage, warum das 15 Decks hohe Schiff bei einem Tiefgang von etwas mehr als 8 Metern nicht einfach umfällt, bemerkte der Kapitän: „Der Konstrukteur hat in Pisa studiert.“ Er beließ es aber nicht bei seinem Witz, sondern versuchte dann auch noch ernsthaft den physikalischen Zusammenhang in drei Sätzen zu erklären. Eine weitere Frage kam noch einmal auf das Unwetter in der ersten Nacht zurück. Jemand wollte wissen, was für Wetter dem Schiff gefährlich werden könnte. Die Antwort von Kapitän Bossi: „Es gibt kein Wetter, das der MSC Fantasia schaden könnte – solange sie den richtigen Kapitän hat.“
Dann dachte er kurz nach und merkte schließlich an, der Sturm über dem Golf von Lyon sei tatsächlich ungewöhnlich heftig gewesen, mit Windstärken von über 80 Knoten, das sei mehr als Orkanstärke. Umgerechnet hatte die Windstärke 150 km/h bestragen, was Windstärke 12 = Orkan entspricht. Er habe dann aber Anweisung gegeben, den Kurs zu ändern und dem Sturm auszuweichen. Das war mir in jener Nacht auf der Anzeige des Bord-Informationssystems auch schon aufgefallen, dass das Schiff nicht im geraden, ursprünglich geplanten Kurs durch den „Löwengolf“ gefahren war, sondern in einer Kurve das Zentrum des Unwetters umfahren hatte.

Piazza San Giorgio

Nach der Präsentation verließen wir das Theater und gingen durch das Casino zu Piazza San Giorgio. Rund um die Piazza gibt es eine Einkaufszone: ein Juwelier, ein Bekleidungsgeschäft und der Duty Free Shop warten auf Kundschaft. Meistens waren hier auch noch Aktionstische mit Angeboten dieser und anderer Shops aufgestellt, an einem Seetag wie dem heutigen gab es besonders viele Angebote: Foto- und Videogeräte und Zubehör, Parfum, Schmuck, Uhren, und MSC-Merchandising-Artikel.

Piazza San Giorgio

Piazza San Giorgio

Nach unserem kurzen Einkaufsbummel stiegen wir im Atrium über die Svarowski-Treppen hinunter auf Deck 5. Hier befinden sich die Rezeption und das Zahlmeister-Büro, an Steuerbord, also rechts, findet man die Fantasia Bar. Hier nahmen wir einen Aperitif: Für Katrin gab es einen Bellini, und für mich einen Campari Soda. Vor der Bar stand ein Terminal mit Tastatur und Bildschirm. Hier konnte man angeblich selbst überprüfen, welche Ausgaben bereits auf die Bordkarte gebucht worden waren. Das ist mir allerdings nicht gelungen. Dann stand da noch, dass man hier und jetzt sofort die Mitgliedschaft im MSC-Club beantragen könne, was zahlreiche Vorteil mit sich bringen würde. Ich wollte dies wenigstens versuchen, erhielt aber ebenfalls nur die Meldung, dass dieser Service gerade nicht verfügbar sei und ich es später versuchen solle. Das tat ich auch, und zwar an zwei späteren Tagen, jeweils erfolglos, mit der gleichen Fehlermeldung.

Lido Catalano

Draußen herrschte mittlerweile schönes, sonniges Wetter. Wir gingen also nach oben aufs Deck 14 und statteten dem Lido Catalano auf dem offenen Heck des Schiffes einen Besuch ab. Dort waren schon viele Liegestühle aufgestellt. Je nach Wetter und Bedarf bauen hier kleine Teams ständig Reihen von Liegestühlen auf oder ab, damit will man wohl das Problem der Handtuch-Liegestuhlreservierer in den Griff bekommen. Handtücher konnte man sich an verschiedenen Stellen kostenlos ausleihen, es wurde die Kabinennummer und die Anzahl der Badetücher notiert, nach Gebrauch gab man sie einfach zurück.

Lido Catalano - Zen Area

Lido Catalano – Zen Area

Der Lido Catalano ist im Schiffsplan als „Zen-Area“ mit dem Zusatz „No children allowed“ ausgewiesen, also als kinderfreie Zone. Das schöne Areal ist mit Mosaiksteinen wie eine klassisches Bad verziert, es gibt Duschen, einen Pool und zwei Whirlpools, und für das leibliche Wohl die schöne Gaudi-Bar. Wir suchten uns zwei Liegen und sonnten uns ein wenig, ich nahm später einen Martini Bianco an der Gaudi-Bar.

Ein Tag auf See

Ein Tag auf See

Schiffs-Informationssystem

Nun meldete sich der Hunger, aber leider hatte Katrin migräneartige Kopfschmerzen bekommen und wollte sich bald hinlegen. Wir gingen also schnell ins L’Africana, Katrin aß einen Salat, für mich gab es Hamburger, sprich Frikadelle, mit Pommes Frites, und danach noch ein Stück Kuchen. Dann suchten wir unsere Kabine auf und für Katrin gab es eine Migränetablette und Bettruhe. Ich vertrieb mit die Zeit mit ‚Stillarbeit‘, immer wieder von kurzen Gängen auf den Balkon unterbrochen. Ich genoss den Blick auf das Meer und die spanische Küste ganz hinten am Horizont. Gut erkennbar waren die schneebedeckten Berge der Sierra Nevada. Mein Navigationsprogramm auf dem Eee-PC zeigte mir an, dass wir etwa 50 Kilometer vom Festland entfernt waren.
Ich spielte ein wenig mit dem Fernseher herum, der ja auch Bordinformationen und Interaktive Funktionen anzubieten hatte. Zunächst zappte ich die TV-Kanäle durch. Es gab drei deutsche Kanäle: RTL, Sat1 und ZDF. Daneben gab es das mehrkanalige Bordfernsehen: Ein Kanal war ein Art Infokanal, der aber eher ein Werbekanal war. Hier wurden die Shops und Restaurants angepriesen, daneben gab es noch Hinweise auf Highlights im Tagesprogramm. Zwei Kamerakanäle waren auf das Oberdeck gerichtet. Hier konnte man beobachten, was dort los war. Ein weiterer Kanal zeigte die Sicht von der Brücke über den Bug des Schiffes nach vorne. Daneben gab es noch das Schiffsinformationssystem, in dem die Uhrzeit, der Kurs, die Geschwindigkeit sowie die aktuelle Position des Schiffs, die Windgeschwindigkeit und unsere Fahrtroute angezeigt wurden.
Dann gab es noch den inaktiven Bereich, der über die Taste „Menü“ auf der Fernbedienung gestartet wurde. Man wurde auch ständig aufgefordert, in diesen Bereich zu wechseln: Bei jedem Einschalten des Fernsehers wurde die Meldung eingeblendet: „Es liegen neue Nachrichten für Sie vor“. Man rief dann den interaktiven Bereich auf und sah sich seine Nachrichten an. Darunter war keine einzige persönliche Nachricht, sondern nur SPAM, wie im „richtigen“ email-Leben: „Kommen Sie in den Duty Free Shop“, „Heute besonders günstige Angebote beim Juwelier“, „Reservieren Sie Ihren Tisch im L’Etoile“ usw. Zusätzlich konnte man hier auch Informationen über das Schiff aufrufen, diese entsprachen aber Wort für Wort den gedruckten Informationen im Kabinenhandbuch. Leider gelang es mir nicht, meinen Bordkontostand abzufragen, was nach den Beschreibungen, auch im Kabinenhandbuch, möglich sein sollte.

Internet auf der MSC Fantasia

Nun fand ich auch einmal Zeit, unseren mitgebrachten Eee-PC mit dem Internet zu verbinden. Ich wollte ein paar Wetterinformationen über unsere nächsten Ziele Madeira, Teneriffa und Lanzarote abrufen. Vorher hatte ich mich an der Rezeption erkundigt, wie und wo man sich Guthaben fürs Surfen kaufen könnte, und die Dame meinte, das ginge ganz einfach direkt am Rechner, ich müsse nur eine beliebige Seite aufrufen, dann erschiene zuerst die MSC-Login-Seite.

MSC Fantasia Internet

Internetzugang auf der MSC Fantasia

Und so einfach ging es tatsächlich. Nachdem ich mein mitgebrachtes Netzwerkkabel in den Rechner und das andere Ende in die dafür vorgesehene Netzwerksteckdose über dem Schreibtisch gesteckt hatte, startete ich den Browser und gab eine Internetadresse ein.
Nun erschien die MSC-Login-Seite. Hier musste man sich zunächst unter Angabe der Kabinennummer registrieren, anschließend konnte man Internet-Minuten erwerben. Angeboten wurden verschiedene Pakete, je weniger, desto teurer.
60 Minuten für 25 €
120 Minuten für 38 €
250 Minuten für 65 €
Plus 250 Minuten (=250+120 min.) für 80 €
Da ich überhaupt nicht abschätzen konnte, wie hoch mein Bedarf war, entschied ich mich für das kleinste Paket. Es hat übrigens genau gereicht, am Ende der Kreuzfahrt hatte ich noch genau 2 Minuten übrig, mit denen ich noch schnell das Rückreisewetter ansehen konnte. Mein Kauf wurde bestätigt und ich erhielt einen Usernamen und ein Passwort zugewiesen. Diese konnte man sich als Gedächtnisstütze auch noch in Form einer TXT-Datei herunterladen, was ich zur Sicherheit auch tat. Mit den Zugangsdaten konnte man sich einloggen und sofort mit dem Surfen beginnen, auf der Hauptseite konnte man immer nachsehen, wie viel Zeit man schon verbraucht hatte und über wie viel Guthaben man noch verfügte.

Mini-Video: Balkonkabine und Bordinfo

Schließlich schrieb ich noch ein wenig an den Aufzeichnungen für diese Website weiter, dann war es Zeit, Katrin zu wecken und sich für das Abendessen fein zu machen – schließlich war heute Galaabend, davor gab es „in allen Bars“ den Willkommens-Drink. Wir nahmen unseren in der bereits gut besuchten Transatlantico-Bar. Zur Auswahl gab es Champagner oder Orangensaft.

Der Erste Gala-Abend

Zum Gala-Abend trugen die Kellner Ihre Gala-Uniformen und Fliege. Auch beim Gala-Dinner konnte man zu jedem Gang aus verschiedenen Gerichten wählen. Wir hatten als Vorspeise
Gebeizter Marlin mit Gurken-Joghurt Salat, danach eine
Hummersuppe.
Als Primo nahm Katrin Risotto mit Krabben und Rucola, für mich gab’s Crespelle, gefüllt mit Spinat und Ricotta.
Als Hauptgang hatte Katrin ein Rinderfilet und ich ein Fischfilet mit Tomaten-Artischocken-Soße.
Katrin beendete das Galamenü mit Obst und ich orderte einen Käseteller, der mit Crackern und Orangenmarmelade serviert wurde.

MSC Fantasia Atrium

Sehen und Gesehen werden im Atrium der MSC Fantasia

Nach dem Galadinner war im Atrium „Sehen und Gesehenwerden“ angesagt. Man lehnte am Geländer und beobachtete andere Leute, die zurückbeobachteten. Dann schlenderte man über die Swarovski-Treppen nach unten, um sich von den Fotografen ablichten zu lassen, die einem am Fuß der Treppe auflauerten.
Schließlich begaben wir uns wieder in die Manhattan Bar, um den Cocktail of the Day zu nehmen. Es gab einen Blue Lagoon, der allerdings nicht sehr gut schmeckte. Er war uns zu zitronig und zu süß, mit einem penetranten Nachgeschmack. Noch einmal schlenderten wir zu den Shops im Atrium, um danach erneut auf ein Bier in der Manhattan Bar aufzuschlagen. Es war mehr los als am Vorabend, aber insgesamt war die Manhattan Bar während der ganzen Reise eher spärlich besucht, selbst Standard-Jazz ist wohl nicht jedermanns Sache. Richtig voll muss es wohl jeden Abend in der L’Insolito Lounge gewesen sein. Dort fand ja auch die allabendliche Animation statt (Beleibte Frauen müssen mit ihrem Allerwertesten einen Ballon zum Platzen bringen, der auf dem Schoß ihres hinter ihnen sitzenden Gatten liegt). Diesen Ort haben wir aber gemieden, da dort Rauchen gestattet war. Richtig voll waren auch die Shows im Theater. Viele Gäste gingen offenbar nach dem Essen in die Show und danach gleich zu Bett.
Auch wir machten uns nach dem Absacker-Bier auf den Weg in die Kabine. Dort warf ich noch einen Blick auf unser eigenes Navigationssystem, bestehend aus Eee-PC, TTQV Software und QStarz Bluetooth GPS. Laut Reisebeschreibung hätten wir um 22 Uhr in Gibraltar für einen technischen Stopp anlegen sollen, es war bereits 23:40 Uhr und von einem Stopp hatten wir nichts gemerkt. Der Blick auf die Karte bestätigte: Wir hatten nicht gehalten und die Straße von Gibraltar lag schon hinter uns. Wir waren schon auf Höhe Tanger. Und am Heben und Senken des Schiffes merkte man schon, dass wir nun auf dem Atlantik waren, die Amplituden der Wellenbewegungen wurden größer. Aber auch diese schaukelten uns sanft in den Schlaf.

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