Auf See

14. Februar 2009. Der achte Tag unserer ersten Kreuzfahrt war erneut ein Seetag, und außerdem Valentinstag. An Bord wurde dies als großes und willkommenes Ereignis zelebriert. Das Tagesprogramm war gefüllt von Anzeigen der Bordshops, die natürlich alle mit ganz besonderen Valentinstags-Angeboten glänzten. Überall auf dem Schiff sah man herzförmige, rote Luftballons. Wir begannen den Seetag wieder damit, etwas länger liegenzubleiben. Durch das Balkonfenster konnte man den afrikanischen Kontinent mit der marokkanischen Küste sehen. Immer wieder sah man auch Schiffe, Frachtschiffe meist, die wie wir der Straße von Gibraltar zustrebten. Mit unserem eigens für die Reise gekauften Fernglas konnte man die Schiffe gut betrachten.

Sonnenaufgang über Afrika

Sonnenaufgang über Afrika

Vor der Reise hatten wir uns vorgenommen, auch einmal auf dem Balkon zu frühstücken, wenn das Wetter mitspielt. Der Service hierfür sollte ja bei MSC – anders als bei anderen Reedereien – keine Extrakosten verursachen. Allerdings war das Angebot der Speisen, die man auf dem Bestellzettel ankreuzen konnte, eher dürftig. Es hätte neben Kaffee oder Tee nur Brötchen, Marmelade und Honig oder ähnliches aus Einwegverpackungen gegeben. Nichts Frisches oder frisch zubereitetes, weder Wurst, Käse, noch Obstsalat, Eierspeisen oder ähnliches. Wir verzichteten also zugunsten der Auswahl am Buffet auf das Balkonfrühstück und machten uns auf ins L’Africana. Da wir dort wie jeden Morgen nur Tee tranken, gab es anschließend noch einen Espresso in der Bar delle Fontane im überdachten Poolbereich ‚I Tropici‘. Wir gingen zurück zur Kabine und zogen uns um. Katrin hatte beschlossen, den Fitnessbereich aufzusuchen, um ein paar Lockerungsübungen auf der Matte zu machen, da sie befürchtete, durch das viele Essen und die wenige Bewegung einzurosten. Daraufhin entschied ich mich für ein Sonnenbad auf dem Lido Catalano. Ich zog mir Badehose und Bademantel an und machte mich auf den Weg zum Schiffsheck. Unterwegs besorgte ich mir noch zwei orangefarbene Handtücher, eines als Liegetuch, das andere als „Zudecke“, denn es ging schon ein recht kühler Wind. Ich fand auch noch einen Liegestuhl in der Sonne. Ich legte mich nieder und genoss die Sonnenstrahlen. Ich beobachtete ein wenig die zahlreichen Jogger und Walker, die – manche nur in Shorts und T-Shirt, andere mit langer Hose, Winterjacke und Mütze – ihre Runden auf dem Jogging-Track drehten.

Mini-Video: Walking on Board

Wobei „Runde“ das falsche Wort ist, denn es gibt im vorderen Schiffsbereich keine Verbindung von links nach rechts beziehungsweise von Backbord nah Steuerbord, sodass man vorne jeweils umkehren muss und der Joggingtrack die Form eines U hat. Es wurde leider schon bald diesiger, wodurch die Sonne weniger wärmte und so brach ich mein Sonnenbad schließlich ab, gab die ausgeliehenen Badetücher zurück und ging zurück in die Kabine. Dort saß ich windgeschützter, mit Blick auf Afrika, und gab mich wieder der Horizontbeobachtung hin. Dann kehrte auch Katrin aus dem Fitnessbereich zurück und wir überlegten, wie wir den weiteren Tag gestalten wollten. Im Bordprogramm, das wie gesagt vor „tollen Valentinstags-Angeboten“ nur so strotzte, hatten wir auch eine interessant Offerte für „Zwei Liebende“ gesehen: 2x Balinesische Massage, 2x Gesichtsbehandlung, und 2x Sauna/Türk. Bad für zusammen ’nur‘ 169,00 Euro.

Eingangsbereich des Aurea Spa

Eingangsbereich des Aurea Spa

Ein stolzer Preis zwar, aber auf zwei Personen gerechnet, mit jeweils einer Stunde Behandlung und einer Stunde Thermalzone, konnten wir ihn akzeptieren. Verglichen mit den Einzelpreisen handelte es sich tatsächlich um ein gutes Angebot. Wir suchten also das Aurea Spa auf, das ja nur ein Deck über uns lag, und besprachen dort an der Rezeption unsere Reservierungen. Nur noch um 14 Uhr gab es freie Massagetermine, und der Spa-Mitarbeiter empfahl uns, unmittelbar vorher die Stunde Thermalzone zu nehmen. Es war mittlerweile schon 12:30 Uhr, sodass wir zusagten und damit entschieden, auf das Mittagessen zu verzichten. Wir gingen zurück in die Kabine, zogen uns um und standen wenige Minuten später erneut an der Rezeption des Aurea Spa.

Dort hinterließen wir unsere Bordkarten als Pfand und erhielten im Gegenzug ein Armband mit Schlüssel, mit dem man einen Spind im Umkleideraum der Thermalzone öffnen konnte. Wir betraten den Thermalbereich, und suchten die getrennten Umkleidekabinen auf. Klein kam uns der zentrale Ruhebereich mit nur sechs Liegen vor. Diese waren alle belegt, vier mit Handtüchern und zwei mit echten Menschen. Wir starteten also sofort unseren ersten Saunagang. Es gibt mehrere – vier oder fünf – Saunen, mit unterschiedlichen Temperaturen, dazu zwei Dampfbäder. Neben den Saunen gibt es Duschkabinen, mehr aber nicht. Tauchbecken, Schwallbrause, Eimerdusche oder Kneipp-Schlauch sucht man hier vergebens. Die Badekleidung musste übrigens beim Schwitzen anbehalten werden.

Relaxen im Thermalbereich

Relaxen im Thermalbereich

Wenigstens waren nach unserem ersten Saunagang zwei Liegen für uns frei. Wir genossen die entspannende Atmosphäre, mit einer ambienten LED-Beleuchtung, die ständig die Farbe wechselte und ruhiger, fernöstlich klingender Musik. Leider begleitete uns der ständige Blick auf die Uhr, denn wir hatten ja um 14 Uhr unseren Massagetermin. Ein Besuch des Dampfbades, auf dessen Boden sich so heißes Wassers staute, dass man sich schier die Fußsohlen verbrühte, später noch ein weiter Saunagang, noch einmal Duschen und schon war die Stunde vergangen. Wenige Minuten vor 14 Uhr fanden wir uns wieder im Wartebereich vor der Rezeption des Aurea Spa ein, wo uns kurz darauf unsere Balinesischen Masseurinnen abholten und in die Massagekabinen begleiteten.

Zur Massage kann ich nur sagen, dass dies die erste Massage außerhalb einer Krankengymnastik-Praxis für mich war, und ich habe sie als sehr angenehm und entspannend empfunden. Auch die anschließende 30-minütige Gesichtsbehandlung war sehr erholsam. So muss Urlaub sein. Zum Abschluss unseres Wellness-Tages gönnten wir uns noch einen Drink an der Bar des Aurea Spa. Hier werden nur alkoholfreie Getränke angeboten. Wir bestellten jeder eine ‚Vitamin Bomb‘. Banane, Ananas, Orange und Melone kamen in den Mixer, dazu noch Sahne. Der Drink schmeckte wunderbar fruchtig und erfrischend. Nach so viel Wellness hatten wir Blut geleckt und wollten noch mehr, sodass wir dem Aqua-Park einen Besuch abstatteten, wo wir uns in einem angenehm beheizten Whirlpool niederließen.

Mini-Video: Die Heckwelle

Einladend sah der blau gestrichene Pool nebenan aus, und ich entschied mich, eine Runde zu schwimmen. Das war ein Fehler, denn das Wasser im Pool war alles andere als beheizt. Einen Kälteschock erleidend, schwamm ich eine Bahn und wieder zurück, und sah zu, dass ich schleunigst wieder in meinen warmen Whirlpool kam. So verbummelten wir den Nachmittag. Trotz unseres frühen Abendessens um 18 Uhr lagen wir heute gut in der Zeit, und wir beschlossen, uns endlich einmal einen gemütlichen Aperitif zu gönnen.
Die Le Vele Bar war als Martini-Bar ausgewiesen, und so hielten wir es mit James Bond und probierten auch einmal, ob ein echter Martini ein guter Appetitanreger sein kann. Es gibt eine besondere Karte, nur mit Martinis. Wir bestellten den ‚klassischen‘, und mussten dem Kellner dann noch angeben, ob mit Gin oder Wodka. Wir entschieden uns für Wodka und erhielten wenig später einen Alkoholhammer, bei dem wir sofort begriffen, dass wir ihn unmöglich zügig ausdrinken und dann gleich beim Abendessen weitertrinken konnten.

Ein echter Hammer: der Martini in der 'Le Vele' Bar

Ein echter Hammer: der Martini in der ‚Le Vele‘ Bar

Gut schmeckte er, wir schlürften langsam und verschoben unser Erscheinen im Cerchio d’Oro Restaurant Minute für Minute hinaus. Um 18:15 gingen wir dann aber zum Abendessen. Dort wartete schon das nächste Valentinstags-Angebot auf uns: Prosecco ‚Ferrari‘, vom asiatischen Personal vollmundig als ‚Champaign‘ angepriesen, die Flasche fast geschenkt für 25 Euro. Vom Martini willenlos gemacht, bestellte ich uns eine Flasche.

Abendessen im Cerchio d’Oro

Die italienische Region Veneto bildete den Schwerpunkt des abendlichen Menüs.
Als Vorspeise gab es für Katrin einen gemischten Salat des Tages, ich hatte Kalten Braten mit Waldorf-Salat.
Weiter ging es mit einer Bohnen-Nudel-Suppe nach venezianischer Art, gefolgt von einem Risotto mit Radicchio aus Chioggia.
Beim Secondo Piatto trennten sich unsere Wege wieder. Katrin bevorzugte ein Lachsfilet von der Ersatzkarte, ich aß ein Lammcarree mit Gemüse.
Weil Valentinstag war, gab es ein besonderes Dessert, das uns von den Kellnern auch besonders ans Herz gelegt wurde. So konnten wir gar nicht anders als die Tulpe aus Filoteig mit Ricottacreme und Erdbeeren zu bestellen. Und es war die richtige Entscheidung, das Dessert war überaus lecker.

Valentinstags-Dessert

Das leckere Valentinstags-Dessert

Während des Abendessens kasperten – anders kann man es nicht nennen – die Animateure, als eine Art Liebesgott ‚Amor‘ in rosa und weiß gekleidet, von Tisch zu Tisch, und posierten mit jedem Paar, was vom Schiffsfotografen festgehalten wurden. Auch mit diesen Fotos hat MSC mit uns kein Geschäft gemacht. Am Ende des Abendessens hatten wir noch einen guten Rest in der Flasche, sodass wir diese mitnahmen und uns im Atrium niederließen, wo wir zwei Gläser für unseren restlichen Prosecco bestellten. Wir tranken die Flasche gemütlich aus und lauschten dabei den vier stets angestrengt bis übellaunig blickenden Damen des ‚Elegance Quartetts‘, und später dem Südamerika-Trio ‚Los Paraguayos‘. Wie üblich beschlossen wir den Abend bei Jazz vom ‚Easy Quartett‘ und von ‚Diego‘ in der Manhattan-Bar.

Mini-Video: Gläserne Aufzüge

 

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