Barcelona

?8. Februar 2009. Nach der stürmischen Nacht lag die MSC Fantasia am Morgen ganz ruhig auf dem Wasser. Wir machten uns auf dem Weg zum Frühstück und sahen beim Verlassen der Kabine, dass an vielen Stellen wie beispielsweise an den Treppenhausgeländern „Brechtüten“ ausgelegt waren. Da wir ja noch einmal mit dem Maitre d‘ wegen des Tisches sprechen wollten, gingen wir wieder ins Cerchio d?Oro. Dort wurden wir an einen anderen Tisch als am Abend geführt. So wie die Gäste eintrafen, wurden die Tische nacheinander besetzt. Diesmal erwischten wir einen 6er-Tisch. Das Frühstück verlief leider ziemlich unentspannt. Ständig musste man ein Angebot annehmen oder ablehnen: Kaffee, Sir??, ?Bread, Madam??, ?Juice, Sir??, ?Croissant, Madam??. Wir bekamen die Frühstückskarte in die Hand gedrückt, mit einer reichhaltigen Auswahl. Aber auch hier drängte der Kellner, sodass man kaum Ruhe hatte, die Karte zu studieren. Es gab verschiedene Eierspeisen, eine Wurst-Schinkenplatte, eine reine Käseplatte, eine Fisch-Platte, Obst, Joghurt und vieles mehr. Wir machten zum ersten Mal Bekanntschaft mit dem für unsere Verhältnisse ungenießbaren Kaffee, den die Kellner anboten. Sie hatten jeweils eine Kanne mit Kaffee und eine mit heißer Milch in der Hand. Wir entschieden sofort, den Rest der Kreuzfahrt beim Frühstück nur noch Tee zu trinken. Der zuckersüße, sirupartige Industrie-Fruchtsaft steht dem Kaffee kaum nach. Es wurden die Geschmacksrichtungen „Orange“ und „Multivitamin“ angeboten. Später stellten wir fest, dass es auch „Grapefruit“ gab, der war dann einigermaßen trinkbar.

Die von mir bestellten Spiegeleier mit Speck schmeckten sehr gut, wie auch Katrins 5-Minuten-Ei. Die Wurst-Käseplatte war für uns beide völlig ausreichend. Sie bestand aus vier dreieckigen Käsestücken sowie jeweils mehreren Scheiben Salami, Kochschinken und Mortadella. Auch Brot, Brötchen und Croissants gab es im Bedien-Service, die Kellner gingen herum und reichten einem das Gewünschte.
Nach dem Frühstück trafen wir am Eingang zum Restaurant den Maitre d’Hotel, der hinter seinem Laptop thronte. Ich fragte ihn erneut auf englisch, ob er einen Zweiertisch für uns habe. Nach längerem Studium seines Laptops meinte er, er habe noch einen Zweiertisch, aber nur in der 1. Sitzung. Das bedeutete zwar immer (zu) frühes Abendessen für uns, da wir aber nicht weiter an den großen Tischen sitzen wollten, akzeptierten wir das Angebot und hatten fortan Tisch Nummer 846.
In der Tagesinformation war bereits angekündigt worden, dass um 10:30 Uhr der Alarm für die gesetzlich vorgeschriebene Seenot-Rettungsübung stattfinden würde. Wir kehrten um 10 Uhr in die Kabine zurück. Im Aufzug begegnete uns eine ältere Dame, die bereits die Rettungsweste angelegt hatte und auf dem Weg nach unten war. Im Ernstfall würde sie vermutlich nicht eine halbe Stunde vor dem Alarm wissen, dass einer kommen würde…
Auf der Innenseite unserer Kabinentüre war der Rettungsplan angebracht. Wir studierten, wo unsere Musterstation war, die wir im Falle des Alarms aufzusuchen hätten. Es war die Manhattan Bar auf Deck 7.

Rettungsübung
Anzeige Musterstation

Unsere Musterstation war Station ‚F‘ auf Deck 7.

Kurz vor 10:30 wurden die Kabinenlautsprecher eingeschaltet und eine weibliche Stimme stellte sich auf deutsch als Kreuzfahrtdirektorin „Anna“ vor. Zunächst meinte sie, sie habe eine Information des Kapitäns: In der Nacht hätten wir den Löwengolf, den Golf du Lyon durchfahren, dabei seien Windgeschwindigkeiten von bis zu 80 Knoten aufgetreten. Es kam mir schon recht ungewöhnlich vor, dass diese Aussage über die Lautsprecher verbreitet wurde. Bestimmt hatten sich etliche Passagiere gefragt, warum das Schiff so schwankt und rollt, und ob das womöglich die ganze Kreuzfahrt so weitergehen könnte. Dann kündigte Anna die Rettungsübung an. Wenn wir sieben kurze und einen langen Signalton hören würden, sollten wir unsere Rettungswesten anlegen und uns in Ruhe auf den Weg zur Musterstation machen. Die Ansagen wurden noch auf englisch, französisch und italienisch wiederholt, und kurz darauf erfolgte dann auch der Alarm.
Wir legten unsere Rettungswesten an und verließen die Kabine. In den Gängen und Treppenhäusern standen an jeder Ecke Hilfskräfte, die uns den Weg wiesen. Verlaufen konnte man sich also nicht. Auch vor den Aufzügen standen Wächter, denn diese durften im Ernstfall nicht benutzt werden.
Über die Treppen gingen wir hinunter auf Deck 7, und dann durch das Il Transatlantico in die Manhattan Bar, wo unsere Musterstation war. Dort war es ungemütlich kühl, da die Klimaanlage offensichtlich auf Hochtouren arbeitete. Die Sitzplätze waren bereits alle besetzt, sodass wir stehen mussten. Wir warteten, bis die Schiffsfotografen jeden einzelnen Passagier mit angelegter Rettungsweste fotografiert hatten. Dann zeigte ein „Rettungsbeauftragter“, wie die Rettungsweste korrekt anzulegen ist. Über Bordlautsprecher gab es dazu Erläuterungen von „Anna“ in fünf Sprachen. Dann war der „Safety Drill“ beendet und wir brachten die Rettungswesten wieder auf die Kabine.

Barcelona in Sicht

Barcelona ist bereits in Sicht

Ich ging auf den Balkon, sah hinüber zur Küste und dachte, dass wohl so langsam Barcelona in Sicht kommen müsste. Am Küstenstreifen waren bereits viele Häuser auszumachen. Ich holte das Fernglas, blickte hinüber, und erkannte den Turm Torre Agbar, die Sagrada Familia, und das World Trade Center. Wir fuhren also bereits vor Barcelona und mussten nur noch in den Hafen einlaufen.
Wir gingen schnell auf Deck 14 und weiter über die Treppen auf das Aussichtsdeck 15. Schon erfolgte eine Durchsage des Kapitäns, dass wir in etwa 50 Minuten im Hafen von Barcelona festmachen würden. Wir beobachteten, wie die MSC Fantasia die Hafeneinfahrt passierte, dabei ein entgegenkommendes MSC Containerschiff mit der Horn begrüßte, und weiter in den Hafen hineinfuhr. Schließlich drehte sie mit Hilfe der Podstrahler in einem großen Becken namens Darsena del Morrot und legte am Terminal International Maritima „B“ an.

Wir beschlossen, erst noch im L’Africana zu Mittag zu essen. Zunächst bedienten wir uns wieder am Salat-Buffet. Ich nahm etwas Hülsenfrüchte-Salat und einen Chef-Salat mit Hähnchenbrust, Katrin frische Salate. Anschließend holte ich mir noch je einen Löffel Lammcurry und Paprikagemüse. Auf den riesigen, ovalen Melamin-Tellern, sah das eher verloren aus. Wir wunderten uns immer wieder, wie manche Passagiere diese Teller, im Format einer kleinen Servierplatte, mit Bergen unterschiedlichster Gerichte überhäuften.

Barcelona in 4 Stunden
Barcelon Portbus T3

Der Portbus T3 fährt zum halben MSC-Preis.

Um 14 Uhr verließen wir das Schiff. Über Laufstege gelangten wir in das Terminalgebäude, eine Rolltreppe brachte uns ins Erdgeschoß. Vorbei an einigen Reisebedarfs- und Souvenirläden strebten wir dem Ausgang zu. Vor der Türe wartete schon eine MSC-Mitarbeiterin, die uns mit den Worten „Shuttle, Shuttle“ nach links zum MSC-Shuttlebus schicken wollte. Dort hätte der Fahrpreis pro Person 6,00 Euro betragen. Wir gingen aber geradeaus zur Haltestelle des blauen Hafenbusses. Für insgesamt 6 Euro kauften wir zwei Tickets in die Stadt und zurück.
Nach 10 Minuten Fahrt erreichten wir das Monumento de Colom, den Platz mit der Säule und Statue Christoph Columbus‘. Direkt gegenüber der Haltestelle des Port-Bus befand sich ein Kiosk der Barcelona Bus Turistic TMB, hier kauften wir für je 21 Euro zwei Tickets. Diese berechtigen einen Tag lang zur Nutzung der so genannten Hop On Hop Off Busse, mit denen man beliebig oft fahren kann, mit beliebig vielen Aus- und Einstiegen. Es gibt zwei Routen, eine blauen und eine roten. Direkt vor dem Kiosk befindet sich die Haltestelle Colom – Museu marítim des blauen Busses. Da die Busse alle paar Minuten fahren, mussten wir nicht lange warten. Wir steigen ein, und stiegen gleich hoch auf offene Obergeschoss des Busses. Beim Einsteigen bekamen wir noch einfache Kopfhörer überreicht. Jeder Sitzplatz im Bus ist mit einer Kopfhörer-Buchse und Sprachwahl ausgestattet, sodass man während der Fahrt Erläuterungen zu den Sehenswürdigkeiten hören kann.

HoHo Busse

Routen der Barcelona Bus Turistic Hop On Hop Off Busse

Wir passierten die Haltestellen
– Port Vell
– Museu d´història de Catalunya
– Port Olímpic
– Platja del Bogatell – Cementiri del Poblenou
– Parc de la Ciutadella – Zoo
– Pla de Palau
– Barri Gòtic
Bis hierhin hatte die Fahrt etwa 40 Minuten gedauert. Wir stiegen aus und schlenderten vorbei an der Kathedrale zu den Rambles, dann auf diesen weiter hinauf zur Placa de Catalunya. Hier bestiegen wir erneut den HoHo-Bus, diesmal einen roten. Vorbei am von Antonio Gaudi erbauten Haus Casa Mila fuhren wir nun zu seinem Meisterwerk, der bis dato unvollendeten Kirche Temple Expiatori de la Sagrada Família, oder kurz Sagrada Familia.

Sagrada Familia

Sagrada Familia

Wir machten etliche Fotos, und stiegen dann nördlich der Kirche hinab in die Metro, mit der wir zwei Stationen bis zur Station „Diagonal“ fuhren (L5). Erneut befanden wir uns nach wenigen Metern Fußmarsch wieder vor der Casa Mila und der HoHo-Haltestelle Passeig de Gràcia-La Pedrera.
Hier halten sowohl die roten als auch die blauen Busse der Barcelona Bus Turistic. Wir nahmen erneut einen blauen Bus und setzten die Fahrt fort, vorbei an den Haltepunkten
– Francesc Macià-Diagonal
– Estació de Sants
– Creu Coberta
– Plaça d’Espanya
– CaixaForum – Pavelló Mies van der Rohe
– Poble Espanyol
– MNAC
– Anella Olímpica
– Fundació Joan Miró
– Funicular de Montjüic
– Miramar Jardins – mit schönem Blick auf die MSC Fantasia
– Costa i Llobera
– World Trade Center
bis wir schließlich wieder die Columbussäule erreichten. Von dort bewunderten wir noch einmal die Hafenseilbahn, die zum Mont Juic hinaufführt. Die Fahrt mussten wir uns für einen anderen Besuch aufheben.

MNAC

MNAC Museum

Dort verließen wir den HoHo-Bus und bestiegen erneut den Hafenbus, der uns zurück zum Schiff brachte. Vor dem Eingang zum Terminal hatte sich schon eine kleine Menschentraube gebildet, da erneut Sicherheitskontrollen stattfanden. Wir kamen aber recht schnell durch und waren gegen 18 Uhr wieder an Bord.
Wir zogen das Resümee, für vier Stunden Barcelona genug gesehen zu haben. Der erste Eindruck, den die Stadt bei uns hinterlassen hatte, war ein guter, und vielleicht kommen wir noch einmal wieder für eine intensivere Besichtigung.

Unser Spaziergang in Barcelona

blaue Linie: Hafenbus
braune Linie: HoHo-Bus
schwarze Linie: Metro
grüne Linie: Fußweg

Abendessen

Um 18:30 Uhr fanden wir uns im Cerchio d’Oro zum Abendessen ein. Wir hatten ja nun den Zweiertisch 846 bekommen. Zweiertische sind immer Auffüller, die in Ecken, Nischen oder Lücken stehen, in die kein größerer Tisch mehr passt. So auch unser Tisch. Die Kellner mussten links und rechts an unserem Tisch vorbeilaufen. Wir waren aber mit dem Tisch zufrieden, denn wir konnten gegenübersitzen, uns ansehen und unterhalten, was bei einem großen Tisch, an dem man nebeneinander sitzt, einfach schwieriger ist.
Auch der Oberkellner I Gusti Puta Suena und der Kellner I Gede Augustin Maryo waren wesentlich freundlicher als Andy aus Indonesien und machten auch einen deutlich fitteren Eindruck, der sich auch an den folgenden Tagen bestätigen sollte.

Am zweiten Abend war Kampanien der regionale Schwerpunkt.
Als Vorspeise aß Katrin Tomate & Mozarella, bei mir gab es Bresaola mit Parmesan und Rucola.
Weiter ging es mit einer Minestrone.
Als Primo genossen wir ein ganz leckeres Risotto mit Fontina-Käse und Basilikum,
und als Secondo gab es für Katrin Parmiggiana alla Melanzane, also mit Käse überbackene Auberginen und für mich ein Putenschnitzel mit Käse und Zucchini überbacken, dazu Kartoffeln, Chicoree und grüne Bohnen.
Auf das Dessert zum Abschluss verzichtete Katrin, ich dagegen musste die lokale Spezialität Babà al Rhum – Rumkuchen – noch probieren.

Wir waren gerade mit der Vorspeise fertig, als die MSC Fantasia ablegte. Von unserem neuen Tisch konnten wir gut über den Nachbartisch hinweg aus den großen runden Fenstern sehen und beobachten, wie das Schiff sich von den Gangways entfernte.
Entfernung bis Funchal/Madeira laut Bordprogramm: 1125 Seemeilen.

Manhattan Bar

Easy Quartett in der Manhattan Bar

Nach dem Abendessen nahmen wir noch einen Espresso im Il Cappuccino, bummelten ein bisschen, und ließen uns schließlich in der Manhattan Bar nieder. Hier spielten allabendlich eine Band und ein Pianist im Wechsel. Der Pianist „Diego“ erfreute uns mit Improvisationen bekannter und weniger bekannter Stücke. Die Band namens „Easy Quartett“ bestand, wie der Name schon sagt, aus vier Musikern: Trompeter, Pianist, Bassist, Schlagzeuger.
Täglich wurde ein Cocktail des Tages für 5,70 Euro angeboten, heute Abend war es der Mojito. Wir bestellten uns jeweils einen, er schmeckte sehr lecker. Zu den Getränken gab es stets (bis auf wenige Ausnahmen), zwei Schälchen mit Knabbereien: einmal Chips, und einmal Salzgebäck.
Mit einem Bier beendeten wir den Abend und gingen in die Kabine. Ich sah mir auf dem Eee-PC noch die aktuellen Navigationsdaten der Fantasia an. Wir fuhren entlang der südost-spanischen Küste in südwestlicher Richtung, entlang der Costa Blanca und der Costa Cálida in Richtung Golf von Almeria.
In der Nacht passierten wir den Nullmeridian. Ab hier galt nicht mehr die Mitteleuropäische Zeit MEZ, sondern die sogenannte koordinierte Weltzeit UTC. Das Tagesprogramm hatte uns bereits daran erinnert, dass die Uhren eine Stunde zurückgestellt werden mussten.

Weitere Impressionen aus Barcelona

 

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