Funchal

11. Februar 2009. Der fünfte Tag unserer Kreuzfahrt begann wieder mit einer Nacht, in der ich nicht besonders gut schlief. Unsere Kabine „knarzte“ nämlich erneut bis in die frühen Morgenstunden. Um 5 Uhr trat ich ans Kabinenfenster und sah vor mir die orangefarbenen Lichter der Insel Madeira. Wie schon beim Anlauf auf Barcelona fuhr das Schiff nun ganz ruhig, nur ein leichtes Rauschen drang von der Wasserlinie herauf zu unserem Deck 13. Die ruhige Fahrt nutzte ich noch einmal zu einem kurzen Nickerchen. Ich wurde aber immer wieder wach und sah die Lichter Madeiras immer näher kommen. Um 8 Uhr legten wir an. Leider war der Himmel über Funchal bewölkt. Es sah nach Regen aus.

Mini-Video: Die Lichter von Funchal

Wir hatten uns mit Manuel Franco de Freitas verabredet. Manuel ist Taxifahrer und bietet individuelle Madeiratouren in deutscher Sprache an. Ein paar Wochen vor der Kreuzfahrt hatte ich Manuel angerufen und mit ihm vereinbart, dass er den ganzen Tag für uns zur Verfügung stehen würde. Wir hatten ausgemacht, dass er gegen 9 Uhr vor dem Schiff auf uns warten würde. Ein gelbes Taxi, etwas abseits der anderen Taxis. So war also noch Zeit, in aller Ruhe das Frühstück zu genießen. Wir gingen pünktlich um 9 Uhr von Bord und fanden auch gleich das Taxi mit der Nummer A 0821, an dem Manuel lehnte. Wir begrüßten uns und er entschuldigte sich gleich in nahezu perfektem Deutsch, dass er so schlecht deutsch spreche. Das traf wie gesagt überhaupt nicht zu. Manuel ist Autodidakt, der sich die deutsche Sprache selbst beigebracht hat. Und das ohne jemals in Deutschland gewohnt oder gearbeitet zu haben. Er war nur einmal für 14 Tage auf Besuch bei seinem Bruder, der in Heilbronn arbeitet.
Er fragte uns, ob wir schon einmal auf Madeira gewesen wären und ob wir etwas Bestimmtes sehen wollten. Ich meinte, ich wäre gerne in die Berge gefahren, zur Eira do Serrado mit Blick in das Nonnental Curral das Freiras oder zum Pico do Arieiro. Natürlich hatte ich auch erwartet, dass wir Monte besuchen würden, Standardziel der Tagestouristen, die von dort aus mit dem Korbschlitten hinunter nach Funchal gefahren oder besser geschleift werden. Auch das Cabo Girao, zweithöchste Steilklippe der Welt, hätte ich gerne besucht.

NCL Jade und MSC Fantasia in Funchal

NCL Jade kommt, MSC Fantasia ist schon da.

Aber Manuel riet uns von einer Tour in die Berge und zum Cabo Girao wegen der Witterungsverhältnisse ab. Er meinte, wir würden dort die Hand vor Augen nicht sehen. Also entschieden wir uns auf Manuels Empfehlung hin für eine Tour durch den Osten der Insel.
Wir fuhren los, aus Funchal heraus, um oberhalb der Hafenstadt gleich wieder an einem Parkplatz mit Aussichtspunkt zu halten. Von hier aus hatten wir einen schönen Blick auf Funchal und auf den Hafen mit der MSC Fantasia, die gerade Besuch von der Norwegian Jade bekam. Manuel erklärte uns, was wir von hier aus alles sehen konnten.
Weiter ging es zum Aussichtpunkt Miradouro do Cristo Rei. Hier blieb Manuel im Taxi, während wir die paar Schritte zur Statue Cristo Rei auf dem Kap Garajau gingen.

Schwarzer Degenfisch

Hässlichkeit hat einen Namen: Schwarzer Degenfisch

Es handelt sich hierbei um eine kleinere Ausgabe der Christusstatue von Rio de Janeiro. Dann fuhren wir durch den Touristenort Canico und machten einen Abstecher in den Ortsteil Caniço de Baixo, in dem viele Deutsche wohnen. Nach ein paar Kilometern erreichten wir das Hafenstädtchen Santa Cruz. Hier zeigte uns Manuel die Markthalle mit ihrem Angebot an exotischen Früchten und Gemüse. Auch einen Fischstand gab es, wo der Schwarze Degenfisch angeboten wurde. Anders als in der völlig überlaufenen Markthalle von Funchal war hier außer uns kein einziger Tourist zu sehen. An einem Gemüsestand zeigte uns Manuel Annonas, „Zuckeräpfel“, wie er meinte. Er kaufte zwei Früchte und sagte, wir müssten diese gleich probieren.

Annona

Annonas (Netzannone, Chirimoya, Zuckerapfel)

Wir fuhren weiter zum internationalen Flughafen Santa Catarina von Madeira. Manuel kannte natürlich einen besonders guten Aussichtspunkt oberhalb der im Jahr 2000 verlängerten Landebahn. Dort machten wir halt, Manuel holte ein Messer aus dem Kofferraum, schälte die Zuckeräpfel und bot sie uns an. Wir aßen jeder einen. Sie schmeckten ganz gut, leicht süßlich mit einem zarten Vanillearoma. Wir warteten noch einige Minuten auf die Landung eines großen Fliegers, hatten aber Pech, denn es landete nur ein kleines Sportflugzeug. Wir fuhren einige hundert Meter weiter, dann zeigte uns Manuel noch die interessante Säulenkonstruktion, auf der die erweiterte Landebahn ruht.

Machico

Machico, vom Pico de Facho gesehen. Im Hintergrund der Flughafen

Nun erreichten wir Machico, die älteste Stadt Madeiras und Manuels Wohnort. In der Bucht von Machico hatte im Jahr 1419 der portugiesische Entdecker João Gonçalves Zarco erstmals den Boden der Insel Madeira betreten. Wir fuhren durch den auf den ersten Blick recht schönen Ort und gleich weiter zum Berg Pico do Facho. Vom dortigen Aussichtspunkt hatten wir einen erstklassigen Blick auf Machico, dazu lauschten wir Manuels Erklärungen.
Wir näherten uns immer mehr dem äußersten Osten Madeiras und gelangten zum Fischerort Caniçal, einst Walfangzentrum der Insel. Ein Museum erinnert an den Walfang, dessen Besuch ersparten wir uns aber.

Ponta de Sao Laurenco

Ponta de Sao Laurenco

Stattdessen vertraten wir uns nur einige Minuten die Beine und gingen ein paar Schritte am Hafen entlang. Schließlich fuhren wir weiter zum östlichen Ende Madeiras, der Landzunge Ponta de Sao Laurenco. Auch hier gab es einen Aussichtpunkt, von dem wir die Tiefblicke auf die Steilküste und das tief unten liegende Meer genossen. Wir fuhren zurück nach Machico und von dort durch mehrere Tunnel in nordwestlicher Richtung nach Porto da Cruz. In diesem Küstenort gibt es einen kurzen, aber schönen Küstenweg, entlang zwei Meerschwimmbecken und einer kleinen felsigen Bucht, in der sich die Atlantikwellen in ausgewaschenen Gumpen brechen. Manuel setzte uns am Beginn des Weges ab, um uns nach den wenigen hundert Metern am Ende des Küstenwegs wieder aufzunehmen.

Mini-Video: Wilde Brandung in Porto da Cruz

Unsere Tagestour führte uns weiter nach Faial, am Fuße der 600 m hohen, zum Meer hin steil abfallenden Penha de Águia , zu deutsch Adlerfelsen. Auch hier gab es einen Aussichtspunkt, den Miradouro do Guindas, den Manuel ansteuerte. Wiederum wartete er am Parkplatz, bis wir uns genügend umgesehen hatten.

Beim Miradouro do Guindas

Beim Miradouro do Guindas

Die Straße führte nun kurvenreich in die Höhe. Unterwegs hielt Manuel an einem kleinen Anwesen, wo auf der Mauer einige Kisten mit Obst und Gemüse standen. Manuel erklärte uns, hier würde er immer Bananen kaufen, wenn er vorbeikäme. Die Bananen könnten nur auf Madeira verkauft werden, da sie zu klein für europäische Normen seien, dafür würden sie umso aromatischer schmecken. Er kaufte welche und bot sie uns zum Probieren an.

Traditionelles Santana-Häuschen

Traditionelles Santana-Häuschen

Sie schmeckten uns tatsächlich ganz vorzüglich, richtig nach Banane. Eine andere Frucht müssten wir noch probieren, meinte Manuel. Auch diese hatte er gleich für uns mit gekauft. Dabei handelte es sich um Guaven, kleine gelbe, runde Früchte. Laut wikipedia ist der Geschmack süßsauer aromatisch und erinnert an Birnen oder Erdbeeren. Das konnte ich zwar so nicht nachvollziehen, lecker war die Frucht allemal. Das Wetter allerdings machte uns keine Freude. Es wurde immer wolkiger, und als wir schließlich in Santana ankamen, regnete es in Strömen. Trotzdem meinte Manuel, wir müssten unbedingt die traditionellen strohgedeckten Holzhäuser aus der Nähe betrachten.

Schlechtwetter beim Blick auf den Adlerfelsen

Schlechtwetter beim Blick auf den Adlerfelsen

Er drückte uns einen Schirm in die Hand und schickte uns hinaus in den Regen. Wir drehten also eine kurze Runde um die Häuschen, beim Marktplatz, die wegen der Touristen instand gehalten werden. Santana war der westlichste Punkt unserer Tour. Von hier aus ging es zurück in südöstlicher Richtung, und dann hinauf zum bekannten Aussichtspunkt Miradouro da Portela. Von hier aus sieht man hinunter auf Porto da Cruz und den Adlerfelsen, und wir sahen auch, wie sich das Wetter nun verschlechtert hatte. Ganz tief hingen dunkle Wolken über der Insel. Wären wir tatsächlich in die Berge gefahren, wir hätten gar nichts gesehen. So langsam wurden wir auch müde. Als Manuel uns fragte, ob wir zum Mittagessen einkehren wollten, lieber weiter zu fahren und entsprechend früher zum Schiff zurückzukehren. Zunächst stand aber noch ein Spaziergang durch den schön gepflegten Park Quinta do Santo da Serra auf dem Programm. Leider war es auch hier neblig und feucht, und aufgrund der Höhenlage von 675 Metern dazu noch kalt. Nach einer halben Stunde kehrten wir zum Taxi zurück.
Manuel setzte die Fahrt fort zum Golfclub Santo da Serra, da man von diesem eine besonders schöne Aussicht haben sollte. Wir allerdings nicht, denn es war weiterhin neblig. So fuhren wir über die Bergstraße weiter in das Korbflechterzentrum Camacha, denn auch dieses sollten wir uns nach Manuels Meinung unbedingt noch ansehen. Müde betraten wir den Laden der Kooperative, und schlenderten ohne großes Interesse – und dadurch auch leider ohne entsprechende Würdigung des Könnens der letzten madeirensischen Korbflechter – durch die Schauwerkstatt und die Verkaufsräume.

Manuel (re.), unser Fahrer und Führer, und wir.

Manuel (re.), unser Fahrer und Führer, und wir.

Wir waren nun wirklich ziemlich erledigt und froh, als wir nach einigen Tunnels wieder das Häusermeer von Funchal sahen. Eine kleine Stadtrunde drehte Manuel aber noch, damit wir auch noch einen Eindruck von Madeiras Hauptstadt mitnehmen konnten. Schließlich ging es zurück zum Schiff. Nachdem wir den Wachen am Hafeneingang unsere Bordkarten gezeigt hatten, fuhr Manuel uns direkt bis vor die MSC Fantasia. Nun war nur noch sein Honorar zu bezahlen. Am Telefon hatten wir 120 Euro vereinbart, einen Zehner legte ich noch dazu, weil wir sehr zufrieden waren. 130 Kilometer haben wir insgesamt auf unserer schönen Madeira-Tour zurückgelegt.

Unser Landgang auf Madeira

Kaum zurückgekehrt, wurde das Wetter immer besser, sodass wir uns auf dem Balkon in der Abendsonne ausruhten. Dann stiegen wir ein Deck höher auf Deck 14, um von dort aus das Auslaufen zu beobachten. Und schon legten wir ab. Langsam fuhren wir aus dem Hafenbecken, mit einem schönen Blick auf die Häuser an Funchals Hängen. Es erklang eine Durchsage von Kapitän Bossi. Er kündigte an, wir würden in etwa 30 Minuten eine „kleine Überraschung“ erleben. Am Ufer würden wir nämlich eine Statue „wie in Rio“ sehen können. Die kannten wir ja nun schon. Langsam kam sie auch in Sicht. Als wir die Statue „Cristo Rei“ passierten, setzte aus den Bordlautsprechern der Titel „Time to say goodbye“ ein. Ein etwas kitschiger Moment zwar, aber nicht ohne. So muss Kreuzfahren wohl sein. Mit den letzten Takten des Liedes wendete sich die MSC Fantasia von der Küstenlinie ab und nahm Kurs Richtung Süden. Madeira blieb hinter uns zurück. Morgen würden wir schon auf Teneriffa sein.

Weitere Impressionen von Madeira
Das fünfte Abendessen im Cerchio d’Oro

stand unter dem Thema „Piemont“.
Bei Vorspeise und Suppe lagen Katrin und ich auf einer Linie.
Zunächst genossen wir Coppa mit gegrilltem Gemüse (Zucchini, Paprika, Aubergine), was sehr gut schmeckte. Als Suppe gab es eine Stracciatella.
Katrin blieb auch am heutigen Abend beim Risotto. Gemüserisotto war angesagt. Ich aß Rigatoni alla Amatriciana, mit Tomaten und Speck.
Als Secondo nahm Katrin Saltimbocca Romana, für mich gab es ein Lachsfilet auf Anissauce mit gegrilltem Fenchel.
Als Dessert servierte man uns Tiramisu und um den Tag schön abzurunden, bestellte ich mir noch eine Grappa. Die stand zwar täglich als Digestiv-Empfehlung auf der Karte, im erstaunten Gesicht des Kellners konnte ich aber lesen, dass es solche Bestellungen eher selten gab.

Erledigt, wie wir waren, gestaltete sich der weitere Abend eher kurz. Wir bummelten langsam vom Restaurant durch die Ladenzone und die Piazza San Giorgio zum Bug, fuhren hinauf zum Arcobaleno-Deck und zogen uns in unsere Kabine zurück. Wir gingen früh zu Bett, um am nächsten Tag wieder mit neuer Energie der Insel Teneriffa unseren Besuch abzustatten.

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