Alexandria – Kairo

21. März 2010. Tag 6, der wohl anstrengendste Tag unserer Reise. Ägypten. Im Vorfeld hatten wir uns Gedanken gemacht, wie der Tag wohl am besten genutzt werden könne? Mit dem langen und weiten Ausflug nach Kairo, mit einer Besichtigung von Alexandria, oder indem wir einfach auf der Splendida blieben und dort einen richtigen Relax-Tag auf dem fast leeren Schiff verbrächten? Natürlich bezogen wir auch eine eventuelle Gefährdung durch terroristische Anschläge in unsere Überlegungen mit ein. Letztendlich kamen wir aber zum Schluß, dass wir den Pyramiden wohl nie mehr so nahe kommen würden wie bei dieser Reise und dass wir deshalb die Chance, die Pyramiden zu sehen, nutzen sollten. Angesichts der wenig später einsetzenden Entwicklung in Ägypten haben wir wohl die richtige Entscheidung getroffen. Also hatten wir gleich beim Beginn der Kreuzfahrt den Landausflug ALE04 zum Preis von 114 € pro Person gebucht. MSC beschrieb den Ausflug so: ALE04 – ZITADELLE, PYRAMIDEN UND NILKREUZFAHRT (Dauer: ganztags mit Mittagessen) Nach einer ca. dreistündigen Busfahrt erreichen Sie Kairo, die größte Stadt Afrikas. Ihre ersten Ziele sind die Saladin Zitadelle und die Mohamed Ali Alabaster Moschee, von wo Sie einen schönen Blick über die Stadt haben. Von hier aus geht es zum Nilufer, wo Ihre Nilkreuzfahrt beginnt. Genießen Sie ein delikates Mittagessen an Bord. Der Ausflug umfasst auch einen Bustransfer zu den Pyramiden von Gizeh, Chefren und der Sphinx. Hier haben Sie Zeit zum Souvenirkauf in einem Papyrusinstitut. … Der Ausflug beinhaltet evtl. ein spätes Mittagessen. Die Rückfahrt nach Kairo erfolgt ohne Reiseleiter. (Quelle: MSC-Kreuzfahrten)

Busse

Die Busse für den Kairo-Ausflug warten schon

Aber der Reihe nach: Für unsere Verhältnisse waren wir zeitig aufgestanden, ich ahtte vom Balkon aus das Einlaufen in den Hafen von Alexandria beobachtet, dann hatten wir im Bora Bora gefrühstückt. Um 8:15 Uhr fanden wir uns im Strand Theatre – dem auf unseren Ausflugstickets genannten Treffpunkt für den Ausflug – ein. Bevor es los ging, besorgte ich noch an der Bar des Casinos Trinkwasser. Am Ausflugsticket konnte man zwei Gutscheine für je eine Flasche Wasser „zum Sonderpreis von 1 €“ abreissen. Drei der Gutscheine löste ich ein. Bezahlen musste ich nichts, der Betrag wurde später über die Bordrechnung abgerechnet. Es handelte sich allerdings um Halbliter-Flaschen, sodaß sich der „Sonderpreis“ schnell wieder relativiert. Zurück im Theater holte ich mir vorne an der Bühne zwei MSC-Aufkleber ab, die wir während das Ausflugs – sozusagen als Teilnehmer-Ausweis – auf der Brust tragen mussten. Auf den Aufklebern war die Busnummer aufgedruckt – wir hatten Bus 39. Nacheinander wurden in Dreiergruppen die Busnummern aufgerufen. Kurz bevor wir an der Reihe waren, fiel mir ein, dass wir weder Bargeld noch Kreditkarte dabeihatten. Na prima. Auch bei einem all inclusive-Ausflug sollte man nicht ohne Geld unterwegs sein. Ich rannte also zurück in die Kabine, holte Kreditkarte und Geld aus dem Safe und rannte das Treppenhaus hinunter zurück zum Treffpunkt. Unser Bus war gerade aufgerufen worden, und wir stellten uns hinten an der Schlage an. Unsere Reisepässe hatten wir gemäß den gerade erhaltenen Anweisungen, geöffnet in der Hand, mit der Seite des Touristenvisums aufgeschlagen. Ein älterer ägyptischen Einreisebeamten kontrollierte unseren Einreisestempel und meinte „Welcome to Egypt!“. Durch das neue und schöne Hafengebäude betraten wir ägyptischen Boden und stiegen in unseren Bus. Wir fanden Platz in der linken Sitzreihe, etwa zu Beginn des letzten Drittels. Wenig später stellten wir fest, dass der Sitzabstand recht eng bemessen war, allerdings nur auf unserer linken Seite.

Stadtgrenze von Kairo

Stadtgrenze von Kairo

Auf der rechten Seite war der Sitzabstand großzügiger. Leider waren nun schon alle Plätze verteilt – Pech gehabt, Aber wir würden die Fahrt auch so herumbringen. Dafür sorgte auch unser Führer Ibrahim, der sich alsbald vorstellte. Er sprach perfekt deutsch, war ehemaliger Lehrer und unterhielt uns über die gesamte dreistündige Fahrt nach Kairo mit Informativem und Unterhaltsamem aus der ägyptischen Vergangenheit und Gegenwart. Dabei verschwieg er auch nicht aktuelle Probleme des Landes. Auch Wasserflaschen hatte Ibrahim dabei. Er meinte, jeder müsse viel trinken, und verteilte die Flaschen an uns Ausflügler. Dann teilte er Prospekte über T-Shirts und ägyptische Kartuschen aus. Wenn wir gewollt hätten, hätten wir eine Bestellung aufgeben können, die wir dann später am Tag bei unserem Besuch des „Papyrusinstituts“ erhalten hätten. Unser Name oder eine andere Botschaft wäre dann in alt-ägyptischen Schriftzeichen auf des T-Shirt oder die Kartusche (ein Gold-Anhänger) geschrieben worden. Wir hatten aber kein Interesse. Die drei Stunden Fahrt auf der Desert Road, der Wüstenautobahn vergingen dank Ibrahim recht schnell, und am späten Vormittag erreichten wie die Stadtgrenze von Kairo und wenig später die Pyramiden. Wir hatten 30 Minuten Aufenthalt, also beeilten wir uns, aus dem Bus zu kommen und bewunderten die Cheops- Chephren und Mykerinos-Pyramide. Auf dem Pyramidenfeld herrschte reges Treiben. Kinder boten uns Souvenirs an, Kameltreiber einen Ausritt. Auch die überall präsenten Polizisten versuchten, sich etwas dazu zu verdienen und boten für ein kleines Trinkgeld an, uns besonders schöne, ‚geheime‘ Fotopositionen zu zeigen oder uns vor den Pyramiden zu fotografieren. Wir lehnten alles dankend ab.

Schnell war unser Aufenthalt zu Ende und wir stiegen wieder in den Bus ein, der uns die wenigen Meter hinunter zur Sphinx oder korrekter zur „Großen Sphinx von Gizeh“ bringen sollte. In der Zwischenzeit hatte Ibrahim Lunchpakete auf den Sitzen verteilt. In einer Tüte gab es eine weitere Flasche Wasser, dazu Saft, Kekse und Schokoriegel. Dies kleine Imbiss sollte helfen, die Zeit bis zum ’späten‘ Mittagessen, das wirklich sehr spät stattfinden sollte, zu überbrücken. Auch bei der Sphinx hatten wir 30 Minuten Aufenthalt. Durch unzählige Souvenirstände und Horden von jugendlichen Souvenirverkäufern bahnten wir uns den Weg zum steinernen Löwen mit dem Menschenkopf, machten einige Fotos und fanden uns pünktlich zur Abfahrt wieder am Bus ein. Nur einige Minuten Fahrt benötigten wir, um das „Papyrus-Institut“ zu erreichen. Dort zeigte man uns in wenigen Minuten die Herstellung von Papyrus, anschließend entpuppte sich der Aufenthalt als reinrasige Verkaufsveranstaltung.

Natürlich sollten wir ein Papyrusbild kaufen. Interessehalber schauten wir uns einige Bilder an. Wir wurden aber bereits von einem Verkäufer verfolgt, sodass wir uns bei keinem Bild zu lange aufhielten und uns schließlich mit einem ‚Thank you‘ verabschiedeten. Wir gingen ins Obergeschoß des Geschäfts, wo jede Menge Souvenirs angeboten wurden, und erstanden schließlich einen Magneten für die Pinnwand, in Form der bekannten Nofretete-Büste. Weiter ging es über die Stadtautobahn, durch endlose Stadtviertel mit illegal erbauten Häusern, zur Zitadelle von Kairo mit der Muhammad-Ali-Moschee oder auch Alabastermoschee. Anders als bei den Pyramiden und der Sphinx stieg Ibrahim mit aus, führte uns als Gruppe durch das Gelände und schließlich in die Moschee. Vorher zogen wir natürlich alle die Schuhe aus. Wieder draußen, genossen wir den imposanten Blick auf Kairo. Ein Streifen vor der Festungsmauer war abgesperrt, als ich mich diesem näherte, kamen sofort zwei Polizisten an. Ich nahm an, sie wollten mich ermahnen, die Absperrung nicht zu übertreten, aber das Gegenteil war der Fall. Sie boten mir an, mich gegen ein ‚Trinkgeld‘ hinter die Absperrung zu lassen, damit ich von ganz vorne fotografieren könne. Ich lehnte dankend ab.

Nun brachte uns der Bus hinunter zum Nil, zur Anlegestelle von „The Pharaos Cruising Restaurants“. Um 17 Uhr legten wir mit dem Restaurantschiff ab, und sofort ging es mit dem „Mittag“-Essen los. Es war ein Buffet aufgebaut, mit Salaten, Gemüsen, Fleisch und Pasta. Später gab es noch Kaffee und ein Dessertbuffet. Während wir asen, spielte eine ägyptische Band, ein Tänzer und eine Bauchtänzerin sorgten für die passende Folklore. Eine Stunde kreuzten wir auf dem Nil, während sich am Ufer bereits die Dämmerung über die Häuser legte.

Kairo vom Nil aus

Kairo vom Nil aus

Wieder im Bus, verabschiedete sich Ibrahim von uns, er blieb in Kairo. Schnell kam die Dunkelheit, sodass wir noch die zahllosen, mit hunderten Leuchtstoffröhren ausgestatteten Leuchtreklamen an den Hauswänden und auf riesigen Masten entlang der Stadtausfallstraßen bewundern konnten. Durch die Wüste ging es zurück nach Alexandria. Nach drei Stunden signalisierten und die gelben Lichter der Ölraffinerien, dass wir uns unserem Ziel näherten. Gegen 21:30 Uhr waren wir schließlich wieder auf der MSC Splendida.

Unsere Route in Kairo


schwarze Linie: Bus/Fuß
grüne Linie: Mini-Nilkreuzfahrt

Unsere Kairo-Tour ab Alexandria


schwarze Linie: Bus/Fuß
grüne Linie: Mini-Nilkreuzfahrt

Abendessen mit Thema ‚Latium‘

Wir suchten zügig das Restaurant auf, wo wir gegen 21:45 eintrafen. Wegen der späten Rückkehr der Ausflügler waren die Sitzordung und die Verteilung auf „Erste“ und „Zweite Sitzung“ aufgehoben worden. In so genannter Offener Sitzung wurden die Tische aufgefüllt, wie man ankam. Allerdings achtete der Oberkellner darauf, die Tische mit gleichen Nationalitäten zu besetzen, damit sich ein Tischgespräch entwickeln konnte. Was es auch tat. Es ging aber nur um ein Thema: Die Landausflüge. Es wurde gemosert, was das Zeug hielt. Zu teuer, schlecht organisisert, zu klange Busfahrten, zu wenig Aufenthalt bei den Sehenswürdigkeiten, schlechte und inkompetente Führer. Diese Meinungen konnten wir nur in wenigen Punkten teilen. Der Preis des Ausflugs in Höhe von 120 Euro pro Person war sicherlich happig (als MSC-Clubmitglieder erhielten wir noch 5% Rabatt), nach unserer Meinung für die erhaltene Leistung aber angemessen. Die Organisation fanden wir einwandfrei, die lange Busfahrt und die kurzen Aufenthalte konnte man schon aus der Ausflugsbeschreibung herauslesen beziehungweise erwarten, wenn das Ausflugsziel über 250 Kilometer entfernt ist. Und mit unserem kompetenten Führer Ibrahim hatten wir wohl wirklich Glück gehabt. Aber zurück zum Abendessen: ‚Kulinarisches‘ Thema war die italienische Region Latium. Katrin hatte als Vorspeise Risotto, und als „Secondo Piatto“ Saltimbocca alla Romana. Ich bestellte Salat mit Tomaten, Gurken und Schafskäse, dann eine Stracciatella-Suppe und schließlich genehmigte ich mir noch einen Teller Spaghetti Bolognese. Als Abschluß gab es noch Tiramisu. Wir hatten schon Tag 6, und eigentlich noch keinen Abend in einer Bar verbracht. Bei unserer Fantasia-Kreuzfahrt saßen wir jeden Abend in der Manhattan Jazz Bar oder einer anderen Bar. Also entschlossen wir uns, Cocktails in der „La Prua“ Bar zu trinken. Diese ist das Gegenstück zur Atlantico Bar auf der Fantasia, vom Design her eine meiner Lieblingsbars auf den beiden Schiffen. Die Musik hier spricht ein eher älteres Publikum an, es gibt meist Oldies von einem Alleinunterhalter oder einem Duo. Wir erwischten einen, der richtig grauenvoll war, mit einer schlimmen Stimme und ebenso grauenhaftem Englisch. Aus dem Simon & Garfunkel Klassiker Mrs. Robinson machte er „Mister Robinson“…

La Prua Bar

La Prua Bar

Auch die Cocktails waren enttäuschend: geschmacklos, zu viel Alkohol, zu viel gestoßenes Eis. Mit einem Wort: Fad, und damit passend zur ganzen Küche bei dieser Kreuzfahrt. Schade. Wir zogen uns in die Kabine zurück und räumten noch etwas auf. Als MSC-Club Mitglieder mit Silber-Status hatten wir das Recht auf die kostenlose Reinigung von 10 Kleidungsstücken (ein Privileg, das wohl zu sehr in anspruch genommen wurde, denn zwischenzeitlich hat MSC dieses Angebot für Clubmitglieder wieder gestrichen). Wir packten also 10 Kleidungsstücke in die Wäschetüte, schrieben unsere Club-Mitgliedsnummer drauf, und stellten sie vor die Kabinentür. Um 00:45 fielen wir müde ins Bett.

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